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Menopause und Sustainable High Performance: In dieser Zeit braucht es andere Strategien statt mehr Druck

Elvira Häusler7 Min. LesezeitVeröffentlicht 19.10.2026
Die kurze Antwort

Schon in der Perimenopause verändert sich das Gehirn messbar: Struktur, Vernetzung und Energiehaushalt. Das zeigen Hirnscans der Neurowissenschaftlerin Dr. Lisa Mosconi (Weill Cornell Medicine, New York). Die Veränderungen hängen am hormonellen Übergang und nicht am Alter. Und bei den meisten Frauen stabilisiert sich das Gehirn nach der Menopause wieder.

Das kannst du heute tun · 10 Minuten
  1. Notier eine Woche lang, wann du Brain Fog bemerkst: nach welcher Nacht, in welcher Situation, zu welcher Tageszeit.
  2. Leg Fokusarbeit und wichtige Entscheidungen in die Stunden, in denen dein Kopf am klarsten ist.
  3. Nimm deine Notizen mit zu deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen und sprich das Thema offen an.
Was die Forschung sagt

Mit dem Übergang in die Menopause verändern sich graue und weisse Substanz sowie der Energiestoffwechsel des Gehirns. Nach der Menopause stabilisieren sich die Werte weitgehend, im Precuneus erholt sich die graue Substanz wieder. Mosconi L. et al. (2021), Scientific Reports 11, 10867

Die Dichte der Östrogenrezeptoren im Gehirn steigt über den Übergang an. Eine höhere Dichte geht mit schwächerer Gedächtnisleistung einher. Mosconi L. et al. (2024), Scientific Reports 14, 12680

Quellen geprüft am 19.10.2026

Ich sitze in einem Geschäftsleitungsmeeting. Es wird heiss diskutiert. Ich bin gleich an der Reihe mit meinen Argumenten, die ich mir innerlich schon klar strukturiert und gut durchdacht vorbereitet habe.

Ich beginne zu sprechen. Trage mein erstes Argument vor. Will mit dem zweiten beginnen und plötzlich ist da: nichts mehr. Was gerade noch da war, logisch und klar, ist einfach weg.

Alle schauen mich an und warten. Und ich suche in meinem Gehirn. Aber das zweite Argument habe ich genauso verlegt wie den Autoschlüssel, den ich heute Morgen erst einmal in der ganzen Wohnung suchen musste.

Peinlich, unangenehm, unprofessionell. Shit.

So oder so ähnlich geht es vielen Frauen ab Ende 30. Und dann beginnen sie, den Fehler erst einmal bei sich selbst zu suchen. Aber oft nicht dort, wo die wahre Ursache liegt.

Willkommen in den Wechseljahren

Schon in der Perimenopause verändert sich das Gehirn messbar: Struktur, Vernetzung und Energiehaushalt. Das zeigen Hirnscans der Neurowissenschaftlerin Dr. Lisa Mosconi (Weill Cornell Medicine, New York). Die Veränderungen hängen am hormonellen Übergang und nicht am Alter. Und bei den meisten Frauen stabilisiert sich das Gehirn nach der Menopause wieder.

1. Das Gehirn baut sich um, und zwar wegen der Hormone

Mosconi und ihr Team haben 2021 die Gehirne von 161 Frauen zwischen 40 und 65 Jahren untersucht, vor, während und nach der Menopause. Sie kombinierten drei bildgebende Verfahren: MRT, MR-Spektroskopie und PET. So wurde sichtbar, was sonst verborgen bleibt.

Das Ergebnis: Mit dem Übergang sinkt das Volumen der grauen Substanz in einzelnen Regionen, also dort, wo die Nervenzellkörper sitzen. Auch die weisse Substanz, die Verbindungsbahnen zwischen den Nervenzellen, nimmt in mehreren Regionen ab. Und die Schläfenlappen verwerten weniger Glukose, den Haupttreibstoff des Gehirns. Diese Regionen sind zuständig für Gedächtnis und Wahrnehmung.

Der entscheidende Punkt: Die Forschenden haben die Frauen mit gleichaltrigen Männern verglichen. Die Veränderungen lassen sich dem hormonellen Übergang zuordnen und nicht dem kalendarischen Alter. Betroffen sind Regionen für höhere kognitive Prozesse, also genau das, was du im Job brauchst: planen, fokussieren, Informationen verknüpfen.

2. Umbau, kein Abbau: Das Gehirn findet ein neues Gleichgewicht

Die gute Nachricht steckt im zweiten Teil der Studie. Nach der Menopause stabilisierten sich die Hirnwerte weitgehend. In Schlüsselregionen erholte sich die graue Substanz wieder.

Besonders deutlich zeigte sich das im Precuneus. Diese Region ist wichtig für Gedächtnis, Selbstwahrnehmung und soziale Kognition. Dort war der Rückgang nur vorübergehend. Und wo sich das Gehirn erholte, waren auch Gedächtnis- und Denkleistung besser.

Das Gehirn gleicht aktiv aus: In einigen der betroffenen Regionen stiegen Durchblutung und Energieproduktion der Mitochondrien, der Kraftwerke der Zellen. Mosconi spricht davon, dass das Gehirn bei den meisten Frauen nach der Menopause ein «neues Normal» findet.

3. Brain Fog hat eine biologische Spur

2024 ging Mosconi einen Schritt weiter. Mit einem neuen PET-Verfahren lassen sich erstmals die Östrogenrezeptoren im lebenden Gehirn messen. Untersucht wurden 54 gesunde Frauen zwischen 40 und 65.

Der Befund: Über den Übergang hinweg steigt die Dichte dieser Rezeptoren in Hirnnetzwerken, die durch Östrogen gesteuert werden. Sie bleibt bis Mitte 60 erhöht. Die Forschenden deuten das als mögliche Reaktion des Gehirns auf den sinkenden Östrogenspiegel: Es streckt sozusagen mehr Antennen aus.

Und hier wird es für den Alltag relevant: Eine höhere Rezeptordichte ging mit schwächerer Gedächtnisleistung einher. Nach der Menopause sagte sie Stimmungs- und kognitive Beschwerden voraus, die die Frauen selbst berichteten. Was viele als Brain Fog beschreiben, hat also ein messbares Gegenstück im Gehirn.

In ihrem Buch «The Menopause Brain» und in Interviews nennt Mosconi neben der Hormontherapie mehrere Lebensstil-Hebel.

  • Stress regulieren
  • Schlaf priorisieren
  • Bewegung
  • Ernährung

Wichtig: Diese Hebel sind mit einem sanfteren Übergang und einem gesunden Gehirn verbunden. Sie sind keine Garantie und kein Ersatz für eine ärztliche Abklärung.

The Reset

The Reset ist kein Menopausen-Programm. Es arbeitet aber genau an den Hebeln, die Mosconi nennt, und zwar dort, wo Wissen meistens scheitert: im vollen Kalender. Brain Health ist eines der Felder, aus denen die Inhalte kommen.

Zum Beispiel, indem wir:

  • sichtbar machen, wo deine Energie hingeht, und Sprache finden für das, was du bisher nur diffus gespürt hast
  • dein Nervensystem verstehen und aktiv steuern, mit kurzen Stopps im Alltag
  • Mikro-Gewohnheiten und Habit-Architektur etablieren statt Willenskraft
  • innere Blockaden wie «Das darf ich mir nicht erlauben» erkennen und ersetzen
  • wissen, wann du entscheidungsfähig bist, und Grenzen setzen

Und es bleibt nicht bei dir. Wie du mit deiner eigenen Phase umgehst, prägt, wie dein Team mit Belastung umgeht. In der Forschung heisst das Health-Oriented Leadership. Eine Führungsperson, die offen mit dem Thema umgeht, macht es für alle anderen leichter.

Um hier für mehr Awareness zu sorgen, beinhaltet The Reset nun neu auch ein Modul zu den Wechseljahren.

Mehr zu den Folgen für die Karriere und was dagegen hilft, liest du im Beitrag Wechseljahre am Karriere-Peak.

Häufige Fragen

Was ist Brain Fog in den Wechseljahren?

Viele Frauen beschreiben in der Perimenopause Vergesslichkeit, Wortfindungsprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten als Brain Fog. Hirnscans der Neurowissenschaftlerin Lisa Mosconi zeigen, dass sich das Gehirn in dieser Phase messbar verändert, in Struktur, Vernetzung und Energiehaushalt.

Ist Brain Fog in den Wechseljahren dauerhaft?

Bei den meisten Frauen nicht. In der Studie von Mosconi und Team stabilisierten sich die Hirnwerte nach der Menopause weitgehend, in Schlüsselregionen wie dem Precuneus erholte sich die graue Substanz wieder.

Was hilft dem Gehirn in den Wechseljahren?

Mosconi nennt neben der Hormontherapie Lebensstil-Hebel: Stress regulieren, Schlaf priorisieren, Bewegung und Ernährung. Sie sind keine Garantie und kein Ersatz für eine ärztliche Abklärung.

Quellen

  • Mosconi L. et al. (2021): Menopause impacts human brain structure, connectivity, energy metabolism, and amyloid-beta deposition. Scientific Reports 11, 10867 Link
  • Weill Cornell Medicine (2021): Imaging Study Reveals Brain Changes During the Transition to Menopause Link
  • Mosconi L. et al. (2024): In vivo brain estrogen receptor density by neuroendocrine aging and relationships with cognition and symptomatology. Scientific Reports 14, 12680 Link
  • Weill Cornell Medicine (2024): Scans Show Brain's Estrogen Activity Changes During Menopause Link
  • Cure Alzheimer's Fund (2021): The Effect of the Menopausal Transition Period on the Brain Link
  • WBUR On Point (2024): Interview mit Lisa Mosconi zu Gehirn und Menopause Link
  • Advisory Board (2024): 'We're not losing our minds': How menopause changes the brain Link

Haftungshinweis: u:lab arbeitet präventiv und setzt vorher an: bei Leistungsfähigkeit, Erholung und Selbstführung im Alltag. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Behandlung, Psychotherapie oder psychologische Beratung. Wenn du Beschwerden hast oder mehr Unterstützung brauchst, wende dich bitte an eine Fachperson, zum Beispiel an deine Gynäkologin oder deinen Gynäkologen.

Einordnung: Dieser Artikel gehört zu Sustainable High Performance, dem Kern unserer Arbeit im u:lab: langfristig auf hohem Niveau wirken, ohne dafür mit Gesundheit und Energie zu bezahlen.

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