Wechseljahre am Karriere-Peak: Warum jede dritte Frau zurücksteckt und was es braucht, damit du bleiben kannst
Die Wechseljahre fallen bei vielen Frauen genau in die Jahre mit der grössten beruflichen Verantwortung. In der ersten Schweizer Studie dazu hat jede dritte befragte Frau deswegen ihre berufliche Situation verändert. Dabei liegt zwischen Durchbeissen und Aussteigen ein dritter Weg: Wer versteht, was passiert, den eigenen Stress regulieren kann, Grenzen setzt und gut begleitet ist, bleibt handlungsfähig.
- Blocke diese Woche zwei Zeitfenster für Fokusarbeit in deinen besten Stunden.
- Leg fest, wann du nicht erreichbar bist, und sag es deinem Team.
- Schreib auf, was dir in dieser Phase hilft, und bring es in dein nächstes Gespräch mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen.
33 Prozent der befragten berufstätigen Frauen in der Schweiz haben wegen der Wechseljahre ihr Pensum reduziert, die Stelle gewechselt, pausiert oder sind früher in Pension gegangen. MenoSupport Suisse 2025 (HWR Berlin, Inselspital Bern, The Women Circle)
Ein Selbsthilfe-Programm auf Basis kognitiver Verhaltenstherapie senkte bei berufstätigen Frauen die Belastung durch Hitzewallungen und die Einschränkung bei der Arbeit. Hardy C. et al. (2018), Menopause 25(5)
Quellen geprüft am 19.10.2026Die Wechseljahre fallen bei vielen Frauen genau in die Jahre mit der grössten beruflichen Verantwortung. In der ersten Schweizer Studie dazu hat jede dritte befragte Frau deswegen ihre berufliche Situation verändert: Sie hat reduziert, pausiert, die Stelle gewechselt oder ist früher in Pension gegangen. Dabei liegt zwischen Durchbeissen und Aussteigen ein dritter Weg. Wer versteht, was passiert, den eigenen Stress regulieren kann, Grenzen setzt und gut begleitet ist, bleibt handlungsfähig.
Was die erste Schweizer Studie zeigt
Die Studie MenoSupport Suisse hat von April bis Juli 2025 2'259 berufstätige Frauen in der Deutsch- und Westschweiz befragt. Durchgeführt wurde sie von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, der Frauenklinik des Inselspitals Bern mit Prof. Dr. Petra Stute und The Women Circle. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 51 Jahren.
Fast alle spüren es im Job. Nur 12,4 Prozent sagen, die Wechseljahre hätten ihre Arbeit nicht beeinflusst. Am stärksten beeinträchtigen körperliche und geistige Erschöpfung (71,2 Prozent), Schlafstörungen (62,6 Prozent) und Reizbarkeit (47,6 Prozent).
Es trifft genau das, was Führung ausmacht. 66,8 Prozent konnten sich weniger gut konzentrieren. 55,4 Prozent fühlten sich gestresster. Und 41,2 Prozent hatten weniger Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Viele ziehen Konsequenzen für die Karriere. Insgesamt 33 Prozent haben wegen der Wechseljahre ihre Arbeit verändert, pausiert oder reduziert:
- 20,5 Prozent haben ihr Pensum reduziert
- 16,4 Prozent haben die Stelle gewechselt
- 13,3 Prozent haben eine berufliche Pause eingelegt
- 5,7 Prozent sind früher in Pension gegangen
Manche Frauen lehnen auch Führungspositionen ab.
Und die meisten sind damit allein. 56,8 Prozent erleben ihren Arbeitgeber nicht als unterstützend in dieser Phase. Bei 68,2 Prozent wird am Arbeitsplatz nie oder selten über die Wechseljahre gesprochen. Gleichzeitig wünschen sich 72,6 Prozent eine offene Kommunikation.
«Fast alle Frauen, die bei mir im Training sind, erleben diese Zahlen in der einen oder anderen Form in ihrem Alltag und suchen an der falschen Stelle nach der Lösung. Was vorher in Form der Hustle Culture funktioniert hat, trägt nicht mehr.» Elvira Häusler
Genau dann, wenn die Karriere am höchsten Punkt ist
Die Perimenopause beginnt oft schon Mitte 40 und kann mehrere Jahre dauern. Das ist das Alter, in dem viele Frauen Bereiche, Teams oder ganze Unternehmen führen. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Maturitas hält fest: Die Wechseljahre fallen in eine Zeit, in der viele Frauen wichtige Rollen im Arbeitsleben haben. Frauen mit starken Symptomen kündigen häufiger, gehen früher in Pension oder lehnen Beförderungen ab.
Das ist ein doppelter Verlust. Die Frauen verlieren Einkommen, Einfluss und Vorsorgejahre. Und die Unternehmen verlieren erfahrene Führungspersonen genau dann, wenn deren Wissen am wertvollsten ist.
«Sustainable High Performance in den Wechseljahren ist kein Widerspruch, erfordert aber ein radikales Umdenken: weg vom klassischen Hustle-Hard-Prinzip, hin zu einem optimierten Energiemanagement.» Elvira Häusler
Der dritte Weg: anders statt weniger
Kürzertreten kann die richtige Entscheidung sein. Es sollte aber eine Wahl bleiben und keine Flucht aus Überforderung. Zwischen Durchbeissen und Aussteigen gibt es einen dritten Weg: die Arbeit und dich selbst anders zu führen. Dafür gibt es konkrete Ansätze.
1. Verstehen, was passiert
Wer weiss, dass Brain Fog eine neurologische Grundlage hat und vorübergeht, deutet ihn nicht als persönliches Versagen. Mehr dazu im Beitrag über das Menopausengehirn.
2. Stress regulieren lernen
Dazu gibt es eine der wenigen randomisierten Studien direkt am Arbeitsplatz. Im Projekt MENOS@Work von King's College London und University of Nottingham bekamen berufstätige Frauen mit häufigen Hitzewallungen ein Selbsthilfe-Programm auf Basis kognitiver Verhaltenstherapie. Es umfasste Wissen über die Wechseljahre, Stressmanagement, Atem- und Entspannungsübungen. Nach 6 und 20 Wochen empfanden die Frauen ihre Symptome als deutlich weniger belastend, schliefen besser und erlebten die Wechseljahre als kontrollierbarer. Auch ihre Einschränkung bei der Arbeit sank.
3. Grenzen setzen und die Arbeit neu organisieren
Die Befragten der Schweizer Studie beschreiben selbst, was ihnen hilft. Sie beginnen nach einer schlechten Nacht später, verteilen ihr Pensum anders, gestalten Pausen neu und sind nicht mehr für alle jederzeit erreichbar. Das lässt sich systematisch angehen: Fokusarbeit in die eigenen besten Stunden legen, wichtige Entscheidungen bewusst timen, Erreichbarkeit klar begrenzen.
4. Offen sprechen und Führung sensibilisieren
Die Europäische Menopause-Gesellschaft EMAS empfiehlt Arbeitgebern eine offene, unterstützende Kultur rund um die Wechseljahre. In der Schweiz klafft hier die grösste Lücke: Nur 6,9 Prozent der Befragten haben sensibilisierte Führungskräfte, 64,6 Prozent würden genau das hilfreich finden. Wenn du selbst führst, setzt du diese Kultur mit. Wie du mit deiner eigenen Phase umgehst, prägt, wie dein Team mit Belastung umgeht.
5. Gut begleitet sein
Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) wünscht sich Austausch mit anderen Frauen. Ein Pilotprojekt der Universität Amsterdam mit Frauen in tief bezahlten Jobs kombinierte Bewegung, Beratung bei einer Menopause-Fachperson und Begleitung zu Arbeit und Leben. Die Teilnehmerinnen fühlten sich danach stärker und fähiger, selbst Veränderungen anzustossen. Zur Begleitung gehört auch die medizinische Seite: Fragen zu Symptomen und Therapie klärst du mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen.
Zur Ehrlichkeit gehört: Die Forschung zu Massnahmen am Arbeitsplatz steht noch am Anfang. Aktuelle Übersichtsarbeiten halten fest, dass es erst wenige hochwertige Studien gibt. Die vorhandenen Ergebnisse zeigen aber in eine klare Richtung: Wissen, Regulation, Gestaltungsspielraum und Unterstützung wirken zusammen.
Wo The Reset ansetzt
The Reset ist ein Training für Menschen, die auf hohem Niveau liefern und das nicht auf Kosten ihrer Gesundheit tun wollen. Drei der fünf Ansätze sind dort fester Bestandteil. In der Stufe Regulation lernst du, dein Nervensystem zu verstehen und im Alltag aktiv zu steuern. In der Stufe Selbstführung geht es um Grenzen setzen ohne Rechtfertigung und um Entscheidungen unter Druck. Und du arbeitest in einer kleinen Gruppe von Menschen auf deiner Ebene, mit denen du offen sprechen kannst.
Häufige Fragen
Wie viele Frauen verändern wegen der Wechseljahre ihre berufliche Situation?
In der Schweizer Studie MenoSupport Suisse (2025, 2'259 berufstätige Frauen) haben 33 Prozent wegen der Wechseljahre ihre Arbeit verändert, pausiert oder reduziert. 20,5 Prozent reduzierten ihr Pensum, 16,4 Prozent wechselten die Stelle, 13,3 Prozent legten eine Pause ein und 5,7 Prozent gingen früher in Pension.
Was hilft, um in den Wechseljahren beruflich leistungsfähig zu bleiben?
Fünf Ansätze wirken zusammen: verstehen, was im Körper passiert, Stress regulieren lernen, Grenzen setzen und die Arbeit neu organisieren, offen sprechen und Führung sensibilisieren sowie gut begleitet sein, auch medizinisch durch die Gynäkologin oder den Gynäkologen.
Was können Arbeitgeber tun?
Die Europäische Menopause-Gesellschaft EMAS empfiehlt eine offene, unterstützende Kultur rund um die Wechseljahre. In der Schweiz haben nur 6,9 Prozent der Befragten sensibilisierte Führungskräfte, 64,6 Prozent würden das hilfreich finden.
Quellen
- Rumler A., Stute P. et al. (2025): MenoSupport Suisse. Ergebnisse der ersten schweizweiten Befragung zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz. HWR Berlin, Inselspital Bern, The Women Circle Link
- EMAS (2025): New Swiss Study Reveals the Real Impact of Menopause at Work Link
- Universität Bern, uniAKTUELL (2025): Menstruation and Menopause: A Workplace Taboo (Interview mit Petra Stute) Link
- Safwan N. et al. (2024): Menopause in the workplace: Challenges, impact, and next steps. Maturitas 185, 107983 Link
- Hardy C. et al. (2018): Self-help cognitive behavior therapy for working women with problematic hot flushes and night sweats (MENOS@Work): a multicenter randomized controlled trial. Menopause 25(5) Link
- Rees M. et al. (2021): Global consensus recommendations on menopause in the workplace. EMAS position statement. Maturitas 151, 55 bis 62 Link
- Rodrigo C. et al. (2023): Effectiveness of workplace-based interventions to promote wellbeing among menopausal women: a systematic review. Post Reproductive Health 29(2) Link
- UK Department for Work and Pensions (2025): Menopause in the Workplace Literature Review Link
- Verburgh M. et al. (2020): Mentally Empowering Workplace Health Promotion for Female Workers in Low-Paid Jobs during Menopause and Midlife. IJERPH 17(18), 6462 Link
- Dunn S. (2022): The experience of workplace coaching for menopausal women. International Journal of Evidence Based Coaching and Mentoring, S16 Link
- NewYork-Presbyterian: Perimenopause, Symptoms and Causes Link
Haftungshinweis: u:lab arbeitet präventiv und setzt vorher an: bei Leistungsfähigkeit, Erholung und Selbstführung im Alltag. Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Behandlung, Psychotherapie oder psychologische Beratung. Wenn du Beschwerden hast oder mehr Unterstützung brauchst, wende dich bitte an eine Fachperson, zum Beispiel an deine Gynäkologin oder deinen Gynäkologen.
Einordnung: Dieser Artikel gehört zu Sustainable High Performance, dem Kern unserer Arbeit im u:lab: langfristig auf hohem Niveau wirken, ohne dafür mit Gesundheit und Energie zu bezahlen.
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