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Führung · «Mein Team läuft am Anschlag. Und ich mit.» the LAB · Führung

Spazieren gehen oder das Walking Meeting: warum wir Spaziergänge im Business masslos unterschätzen

Elvira Häusler7 Min. LesezeitAktualisiert 12.10.2026
Die kurze Antwort

Ein Walking Meeting ist ein Gespräch im Gehen statt am Tisch, und es wird im Business massiv unterschätzt. Eine Stanford-Studie zeigt, dass die kreative Ideenproduktion beim Gehen im Schnitt um rund 60 Prozent steigt. Dazu werden Meetings kürzer, Gespräche offener und der Kopf klarer, ohne dass es etwas kostet.

Das kannst du heute tun · 2 Minuten
  1. Wähle ein Meeting dieser Woche ohne Unterlagen (1:1, Sparring, Telefonat) und mach es zu einem Walking Meeting.
  2. Geh vor deiner nächsten wichtigen Entscheidung zehn Minuten ohne Handy und Podcast.
  3. Trag dir einen Spaziergang als festen Termin in den Kalender ein.
Was die Forschung sagt

Beim Gehen stieg die kreative Ideenproduktion (divergentes Denken) im Schnitt um rund 60 Prozent gegenüber Sitzen, drinnen wie draussen; fokussiertes, konvergentes Denken profitierte nicht. Stanford Report (24.04.2014) zu Oppezzo & Schwartz (2014): Give Your Ideas Some Legs: The Positive Effect of Walking on Creative Thinking. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition 40(4), 1142-1152

Quellen geprüft am 12.10.2026

Walking Meeting statt zehn Stunden am Schreibtisch. Kosten: CHF 0.

Rendite: unendlich.

Diese Rechnung habe ich vor einiger Zeit auf LinkedIn geteilt. Und ich stehe nach wie vor dazu. Kaum ein Werkzeug im Arbeitsalltag ist so wirksam, so günstig und gleichzeitig so konsequent unterschätzt wie ein ganz normaler Spaziergang.

Wenn du zu den Menschen gehörst, die nach aussen alles im Griff haben und innen merken, dass der Kopf kaum noch zur Ruhe kommt, dann kennst du das vermutlich. Der Tag besteht aus Meetings, die nahtlos ineinander übergehen. Gedacht wird zwischen zwei Calls. Entschieden wird am Abend, wenn eigentlich nichts mehr geht. Und Bewegung ist etwas, das irgendwann nach Feierabend passieren soll.

Genau hier liegt einer der grössten Hebel, den ich kenne.

Warum Gehen dein Denken verändert

Es gibt eine Studie der Stanford University, die ich immer wieder zitiere, weil sie so schön einfach ist. Die Forschenden haben gemessen, wie kreativ Menschen denken, wenn sie sitzen, und wie kreativ, wenn sie gehen. Das Ergebnis: Beim Gehen stieg die kreative Ideenproduktion, also das freie, divergente Denken, im Durchschnitt um rund 60 Prozent. Und das Spannende daran: Der Effekt kam vor allem aus der Bewegung selbst. Die Umgebung spielte eine kleinere Rolle. Für Aufgaben mit genau einer richtigen Lösung half das Gehen übrigens nicht. Es ist ein Werkzeug für Ideen, nicht für Detailarbeit.

Ich glaube, die meisten von uns wissen das längst aus eigener Erfahrung. Wer je eine wichtige Entscheidung beim Spazierengehen getroffen hat, weiss: Bewegung löst, was Stillsitzen verknotet.

Beim Gehen passiert etwas, das am Schreibtisch selten passiert. Der Blick wird weiter. Die Gedanken ordnen sich. Und plötzlich ist da die Idee, die du seit drei Tagen suchst.

Für mich ist das Gehen deshalb seit Jahren nicht verhandelbar. Täglich, in Form von Gehen oder Laufen. Bewegung ist Medizin. Gehen hilft beim Stressabbau, fördert die Kreativität und stabilisiert die Stimmung. Und es ist eine der wenigen Gewohnheiten, die sich fast überall und ohne Ausrüstung umsetzen lassen.

Das Walking Meeting: Gespräche in Bewegung

Eine meiner liebsten Gewohnheiten ist deshalb, Meetings zu Fuss abzuhalten. Die Formel ist simpel: Bewegung plus Gespräch ergibt bessere Ideen, kürzere Meetings und weniger Sitzungsmüdigkeit.

Was ich dabei immer wieder beobachte: Gespräche im Gehen haben eine andere Qualität. Man sitzt sich nicht gegenüber, man geht nebeneinander und schaut in dieselbe Richtung. Das nimmt Druck raus. Schwierige Themen lassen sich leichter ansprechen. Pausen im Gespräch fühlen sich nicht peinlich an, sie gehören einfach dazu.

Und ein Walking Meeting hat meistens ein natürliches Ende. Die Runde ist gegangen, das Gespräch ist geführt. Kein Überziehen, weil der nächste Termin im selben Raum schon wartet.

Nicht jedes Meeting eignet sich dafür. Eine Präsentation mit zwanzig Folien gehört an einen Tisch. Aber das 1:1 mit deiner Mitarbeiterin, das Strategiegespräch mit deinem Co-Founder, das Brainstorming zu einer offenen Frage: Das alles funktioniert im Gehen oft besser als im Sitzungszimmer ohne Fenster.

Warum wir es trotzdem nicht tun

Wenn das alles so einfach ist, warum gehen dann so wenige Führungskräfte regelmässig spazieren?

Meine Beobachtung: Weil es zu simpel klingt, um wichtig zu sein. Ein Spaziergang sieht nicht nach Arbeit aus. Er lässt sich nicht tracken wie ein Workout, er hat keinen fancy Namen und er kostet nichts. In einer Kultur, in der Leistung sichtbar sein soll, hat es das Unspektakuläre schwer.

Ich nenne das die Boring Basics. Unspektakulär in der Theorie. Transformativ in der Praxis.

Die meisten Executives optimieren ihr Finanzportfolio mit grosser Sorgfalt. Ihr wichtigstes Asset, nämlich ihr eigenes Gehirn und ihr Körper, wird dagegen systematisch vernachlässigt. Das sind die Hidden Costs: Sie tauchen in keiner Bilanz auf, aber du zahlst sie trotzdem. In Form von Entscheidungen, die im Dauerstress getroffen werden. In Form von Ideen, die nie entstehen, weil zwischen zwei Calls kein Raum dafür bleibt.

Gute Entscheidungen kommen nicht aus dem Dauerstress. Kreative Ideen auch nicht. Und strategische Klarheit schon gar nicht.

Gehen verbindet

Es gibt noch eine Dimension, die mir besonders am Herzen liegt: Gehen bringt Menschen zusammen.

2025 habe ich in Zürich einen Walking Club gegründet, aus dem unsere Blue Mind Walks entstanden sind. Wir treffen uns früh am Morgen und gehen gemeinsam. Kein Pitch, kein Netzwerken auf Druck. Einfach Menschen, die gemeinsam unterwegs sind und ehrlich miteinander reden.

Gerade für Gründerinnen und Gründer ist das selten. Auf Social Media sieht Unternehmertum nach Confetti und Champagner aus. Was du nicht siehst: Laut einer Umfrage von Startup Snapshot teilen 81 Prozent der Gründerinnen und Gründer ihren Stress, ihre Ängste und Zweifel nicht offen mit anderen. Mehr dazu findest du in meinem Artikel zu Stress als Gründer. Was dagegen hilft, sind echte Gespräche und Räume, in denen man nicht performen muss. Damit man danach wieder voll performen kann.

Gehen schafft genau diese Räume. Echte Begegnung ohne Agenda. Und soziale Verbindung ist einer der am meisten unterschätzten Faktoren für Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

So bringst du das Gehen in deinen Arbeitsalltag

Du brauchst kein neues Programm. Du brauchst eine kleine, konkrete Entscheidung. Ein paar Ideen:

  • Mach diese Woche ein Meeting zu Fuss. Wähle eines, bei dem keine Unterlagen nötig sind. Ein 1:1, ein Telefonat, ein Sparring. Schau, was sich verändert.
  • Geh vor wichtigen Entscheidungen eine Runde. Zehn Minuten reichen. Ohne Handy, ohne Podcast. Lass den Kopf sortieren, was er sortieren will.
  • Steh nach jedem Call kurz auf und beweg dich. Ein kurzer Weg zum Fenster, ein paar Schritte durchs Büro. Dein Nervensystem bekommt das Signal für einen Übergang.
  • Plane deinen Spaziergang wie einen Termin. Wenn er nicht im Kalender steht, wird er von etwas anderem gefüllt.

Und wenn du die Möglichkeit hast, geh ins Grüne. Warum Natur noch einmal einen zusätzlichen Effekt hat, habe ich in meinen Artikeln zum Waldspaziergang und zu Natur gegen Stress beschrieben.

Häufige Fragen

Was ist ein Walking Meeting?

Ein Walking Meeting ist ein Meeting, das im Gehen stattfindet statt am Tisch. Besonders gut eignet es sich für 1:1-Gespräche, Brainstormings und Sparrings, bei denen keine Unterlagen oder Bildschirme nötig sind. Bewegung und Gespräch zusammen führen oft zu besseren Ideen und kürzeren Meetings.

Macht Gehen wirklich kreativer?

Eine Studie der Stanford University zeigt, dass die kreative Ideenproduktion, also das freie, divergente Denken, beim Gehen im Durchschnitt um rund 60 Prozent steigt. Entscheidend war dabei vor allem die Bewegung selbst, nicht die Umgebung. Viele Menschen kennen den Effekt aus eigener Erfahrung, wenn ihnen die beste Idee beim Spazierengehen kommt.

Wie lange sollte ein Spaziergang im Arbeitsalltag dauern?

Schon zehn Minuten können helfen, den Kopf zu sortieren, etwa vor einer wichtigen Entscheidung. Für ein Walking Meeting eignen sich 20 bis 45 Minuten. Wichtiger als die exakte Dauer ist die Regelmässigkeit.

Ist ein Spaziergang nicht verlorene Arbeitszeit?

Nein. Wer im Gehen denkt, entscheidet und Gespräche führt, arbeitet. Oft sogar besser als am Schreibtisch. Die eigentlichen Kosten entstehen dort, wo Entscheidungen im Dauerstress und ohne Pause getroffen werden.

Wenn du mehr willst als einen guten Vorsatz

Vielleicht liest du das und denkst: Klingt gut, aber mein Kalender lässt das gerade nicht zu.

Wenn du dich darin wiedererkennst, ist das kein Grund, dich noch mehr zu stressen, sondern eine Einladung, genauer hinzuschauen. Dafür gibt es zwei Wege: Der Hidden Cost Test zeigt dir in 3 Minuten, wo du gerade am meisten zahlst. Oder du buchst dir ein kostenloses Strategiegespräch mit mir.

Lass uns genauer hinschauen.

Wenn du dich wiedererkennst, ist das kein Grund, dich noch mehr zu stressen, sondern eine Einladung, genauer hinzuschauen.

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